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Google launcht Things-To-Do-Buchungen durch die Hintertür

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Abschied von „Reserve with Google“, Premiere für „Things To Do“: Vor wenigen Wochen kündigte Google eine vollständig überarbeitete Darstellung von buchbaren Touren und Aktivitäten in seinem Info-Kosmos an. Jetzt ist das neue Programm auch in Deutschland am Start, zumindest teilweise. Mit freien Buchungslinks, wie versprochen. Aber längst noch nicht flächendeckend. Worauf sich Anbieter, Veranstalter, Mittler und Destinationen in dieem Wachstums-Markt jetzt einstellen sollten.

Komprimiert
Google „Things To Do“ ermöglicht zuvor ungeahnte Freiheiten für den Vertrieb von Touren und Attraktionen. Der neue Service ist wie gemacht für Mittler und führende Anbieter von Attraktionen. Aber er bietet auch viel Freiraum für den Mittelstand, für Reiseveranstalter und für die Destinationen – und damit für just jenen Teil der Branche, der bislang in „Things To Do“ auffällig unfindbar ist. Das lässt sich ändern.

Google „Things To Do“ wird jetzt auch in Deutschland sichtbar. Wie von Googles Travel-VP Richard Holden angekündigt, beinhaltet das neue Info-Angebot kostenfreie Buchungslinks für Touren und Attraktionen sowohl für Anbieter und Mittler. Der Dogmen-Wechsel vom integrierten Buchungsdienst zur freien Listung ist bei Google bekannt aus dem Flug- und Hotelgeschäft, bleibt dennoch eine kleine Revolution. Ganz bewusst entgegnet Google damit den (in der Tat stets unbegründeten) Befürchtungen, der IT-Gigant könne sich zu einem Online-Reisebüro wandeln. Denn dafür gibt es (wie immer) keinen Grund. Google verdient prächtig mit seinem bisherigen Geschäftsmodell und schickt gleich auch ein neues Ad-Modell für Attraktionen in die globalen Märkte. Google wird also auch in Zukunft prächtig in diesem Markt verdienen.

Eine pure Wohltätigkeit ist das neue Programm also nicht. Was aber dann? Ganz primär ist Google Things To Do ein Tribut an Googles treue Ad-Kundschaft, die mit „Things To Do“ eine neue optimale Darstellung gefunden haben. Es sind die großen Portale aber auch die großen Attraktiven dieser Welt. Wie die buchbare Vielfalt von „Things To Do“ in der Praxis aussehen wird, lässt sich aus deutscher Perspektive noch immer am besten aus den Illustrationen von Richard Holden vom September erklären.

Buchungsoptionen für die Freiheitsstatue in der Darstellung von Google. Tickets kosten zwischen 23,50 und 50 US-Dollar. @Google

So üppig wie im US-Heimatmarkt ist die Liste der Buchungsoptionen in Deutschland (mit einer Ausnahme, siehe unten) noch nicht. Zu jung ist das neue Produkt hier. Und vor allen Dingen: viel zu wenige Anbieter und Mittler machen mit – bislang.

Was bislang sichtbar ist:

  1. Sichtbar sind die Buchungslinks von „Things To Do“ in vielen Google-Applikationen noch nicht. Nur in den Info-Boxen der universellen Suche, den so genannte Knowledge Boxen, erscheinen diese Informationen. Im extrem reichweitenstarken Kartendienst Google Maps sowie dem touristischen Multi-Tool Google Travel suchen wir bislang vergebens Preisangaben und Buchungslinks.
  2. Fein säuberlich unterscheidet Google in Direkt- und Fremdvertrieb. Die Kategorie „Tickets vor Ort“ steht augenscheinlich nur dem Inhaber eines Knowledge Panels (sprich der jeweiligen Attraktion) zur Verfügung. In der Rubrik „Online-Tickets“ ist Raum für externe Anbieter. Aktuell sind das in auffälliger Häufigkeit die Marktführer Getyourguide und Tripadvisor. Aber auch andere Online-Mittler (wie etwa Klook und Tiqets) bauen Ihr Angebot in Deutschland aus.
  3. Touren und Aktivitäten von DMO oder von klassischen Reiseveranstaltern sind bislang kaum sichtbar. In unseren Selbsttests (mit einigen Dutzend Attraktionen) gab es nur eine einzige Listung derartiger Angebote. Die Bayerische Schlösserverwaltung und das für sie tätige Ticket-Center in Hohenschwangau ist auch bei „Things To Do“ der in der Tat günstigste Anbieter von Neuschwanstein-Tickets. Respekt!
  4. Nur ein Bruchteil des deutschen Angebots verfügt bislang über Buchungslinks. Google ist es hier gelungen, viele deutsche Top-Attraktionen ordentlich zu listen, mit korrekten Buchungslinks und ebensolchen Preisen. Von den buchbaren Top-15-Sehenswürdigkeiten der DZT (in der Ausgabe von 2017) fallen nur die Blumeninsel Mainau, das Ravensburger Spieleland und das Phantasialand Brühl durch eine fehlende Buchbarkeit auf. Das ist durchaus bemerkenswert, denn…

Knowledge Panel heißt nicht Open Data

Wie auch im Hotel- und Flugbereich bedient sich Google für „Things To Do“ für die Preisangaben in den Infoboxen keinesfalls eines offenen „Knowledge Graphen“ und damit eben nicht des populären Open-Data-Ansatzes. Eben weil Preise (und erst recht die bislang nicht angezeigten Vakanzen) permanent variieren, setzt Google für buchbare Leistungen seit jeher auf aufwändige Daten-Aggregation.

Das bleibt auch so. Mit Google „Things To Do“ sind die technischen Hürden ein Stück weit kleiner geworden als bei dem Vorgänger „Reserve with Google“, der auf tiefe Schnittstellen in die Reservierungssysteme der Anbieter setzte. Dies war ein Unterfangen, was nicht nur wettbewerbsrechtlich auf Kritik stieß, sondern auch dem Marktumfeld der Touren und Aktivitäten nicht gerecht wurde. Denn längst nicht jede Attraktionen verfügt bislang über ein leistungsfähiges Reservierungssystem.

Statt mit zuletzt knapp 100 IT-Partnern bei „Reserve with Google“ arbeitet Google bei „Things To Do“ aktuell mit nur 15 „Konnektivitäts-Anbietern“ zusammen. Mit Bookingkit und Trekksoft kommen gerade einmal zwei davon aus dem deutschsprachigen Raum. Der Rest der Liste, wie etwa der Tripadvisor-Ableger Bokun und die Booking-Holdings-Beteiligung Fareharbor, spiegeln zwar durchaus das Who is Who der globalen Marktführer wieder, sind aber ausgerechnet im deutschsprachigen Raum wenig präsent.

Wie also kommt Google bislang an die Eintrittspreise für deutsche Top-Destinationen? Entweder arbeiten die gefündenen Beispiele tatsächlich mit den aktuellen Connectivity-Partnern zusammen, oder Google hat selbst die Daten erfasst. Der Knowledge Graph hilft hierbei allerdings nicht weiter. Er umfasst keine Preise und Preiskategorien.

Meine Vermutung: so lange die Liste der „Connectivity Partner“ und damit der buchbaren Attraktionen in Deutschland nicht anständig gewachsen ist, hilft nur manuelle Recherche und/oder der ein oder andere Link aus dem eigentlich abgeschalteten Reserve-With-Google-Programm weiter.

Das Schloss Neuschwanstein ist ein spannender Einzelfall

Ihr offizieller Ticketing-Partner gehört nicht zu den aktuell bevorzugten Google-Partnern, hat einen Fokus auf Bergbahnen und Skigebiete. Als offizieller Datenlieferant fällt er damit aus. Der textlich genannte (und damit potentiell automatisiert über Open-Data findbare) Eintrittspreis an der Tageskasse ist sogar einen Euro günstiger als der von Google korrekt gelistete Online-Preis. Bringt Google seinen neuen Dienst tatsächlich mit manueller Hilfe in Schwung? Hinweise zur Klärung dieses kleinen Rätsels bitte gern in die Kommentare.
Zugleich ist das internationale Top-Ziel Neuschwanstein schon jetzt mit einem knappen Dutzend OTA-Angeboten präsent, was deutlich über dem sonst gelisteten deutschen Mittler-Portfolio liegt. Das globale Angebot an Touren und Ausflügen nach Neuschwanstein gerade auch in Nordamerika und Fernost stellt eine Ausnahme dar. Seine starke Präsenz in diesem Google-Dienst hat das Schloss den Aktivitäten aus dem Ausland zu verdanken.

Fast so populär wie die Freiheitsstatue: Die Angebotsvielfalt für das Schloss Neuschwanstein ist eine absolute Ausnahme in Deutschland. Auch die Preisspanne verrät die Vielfalt dieses Produkts. Es könnte noch eine Weile so weitergehen.

Fazit: Jetzt neue Verbindungen knüpfen

Noch ist „Things To Do“ ein zartes Pflänzlein. Das wird sich ändern, wenn Google und ihre vermutlich rasch wachsende Liste an Connectivity Partnern für ein wirklich umfassendes Angebot auch in europäischen Destinationen sorgen. Und streng genommen ist nicht einmal das nötig. Es könnten alternativ auch die großen Online-Portale wie Tripadvisor und Getyourguide sein, die ihr Angebot an buchbaren Attraktionen in Deutschland zügig ausbauen. Destinationen und Anbieter wären dann außen vor. Dass Destinationen und Tourist-Informationen auch als Attraktions-Mittler oder sogar -Veranstalter tätig sind, passt ohnehin nicht so ganz in das angelsächsische Geschäftsmodell von „Tours and Activities“.

Klar ist, sobald „Reserve with Google“ nicht nur in den Knowledge Panels erscheint, sondern insbesondere in der Navigation von Google Maps, wird dieses System richtig Fahrt aufnehmen. Bis dahin sollte jeder im Markt prüfen, ob sein Buchungslink und sein Preis korrekt dargestellt ist. Im Vergleich zum Vorgänger-Programm „Reserve With Google“ ist das – zumindest bis auf weiteres – sogar kostenfrei.

Dass das Thema nicht so simpel bleibt, ist hingegen auch absehbar. Vermutlich schon zeitnah wird Google auch Vakanzen abfragen. Die bislang deutlich zu simple Darstellung der Eintrittspreise (es gibt schlichtweg nur einfache Tagestickets für Erwachsene) wird auszubauen sein. Und dann wird eben doch wieder das benötigt, was viele Gastgeber nicht so richtig freut: hoch performante Schnittstellen zu Google.