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ITB 2023: Wie wir den steten Wandel meistern

Mastering Transformation – das Motto der ITB Convention 2023 zog sich wie ein roter Faden durch das Programm. Die wieder erstarkte ITB Berlin sendet klare Signale an die globale Tourismuswirtschaft: Genau jetzt ist die Zeit, Herausforderungen anzugehen und Strategien und Methoden anzupassen. Technologie ist kein Treiber des Wandels sondern das perfekte Mittel, um zentrale Herausforderungen im Tourismus zu meistern. Ein paar persönliche Highlights vom ITB Kongress 2023:

Komprimiert
Sie müssen die Blockchain nicht verstehen, nicht ChatGPT encoden und nicht das Metaverse als Milliarden-Invest erobern. Aber Sie sollten anfangen, den individuellen Nutzen neuer Technologien zu verstehen. Ob Klimafreundlichkeit oder Fachkräftemangel: im Tourismus gibt es keine Herausforderung ohne digitale Lösungsansätze. Nutzen wir sie: mit Tatendrang und menschlicher Neugier.

1. Die Anwendungsfälle müssen besser werden. Die Technik ist nur ein Teil davon.

Sind Blockchain und künstliche Intelligenz ein Hype oder ein fundamentaler Wandel für den Tourismus? Vermutlich beides. „Wir jetzt brauchen passende Use Cases. Die Technik müssen wir nicht verstehen. Sie ist ohnehin dda“, sagte Alexander Knauer, Blockchain-Experte und Professor an der Fachhochschule Mittwaida. Der Mann kennt sich gleichermaßen aus in den Tiefen von Blockchain aber auch Traveltech. Und obwohl Konsortien wie Chain4Travel auf der ITB konkrete Use Cases bis hin zum ersten Blockchain-basierten Online-Reisebüro vorstellen, werde es dauern, bis sich die Zukunftstechnologie auf allen der Prozesse der Reisewirtschaft wiederfindet.

Bei Generativer Künstlicher Intelligenz wird das noch deutlicher. Der Siegeszug von ChatGPT war omni-präsent in den Messe- und Kongresshallen in Berlin. „Neue Technologien werden oft überbewertet und später übersehen, bis sie auf einmal für alle unverzichtbar werden“, sagte Leila Summa, Digitalexpertin und Associated Partner von Travel.Commerce. auf der ITB-Bühne. ChatGPT sei vom aktuellen Entwicklungsstatus wie ein neunjähriges Kind. Aber eben mit einem rasanten und zuvor nie da gewesenen Lernvermögen.Das Kind wird gerade in der Komplexität der Touristik an Grenzen stoßen. Auch ihr Umfeld muss lernen. Reiseinformationen gehören in performante Datenbanken. Und die Struktur der Daten sollte global anerkannt werden. Es gibt viel zu tun.

Future-Tech-Experten Prof. Dr. Alexander Knauer (FH Mittwaida), Caroline Bremner (Euromonitor) und Leila Summa (PlayforChange/Travel.Commerce) im Gespräch mit ITB-Moderator Dirk Rogl: Nicht auf Zukunftstechnologien warten, robuste Anwendungen für den Tourismus schaffen.

2. Datensilos gehören aufgebrochen. Denksilos auch.

Bis ChatGPT und ihre vor dem Roll-Out stehenden Mitbewerber von Google, Meta und Microsoft Reisen verkaufen werden, wird es dauern. Auch das Metaverse ist noch kein umfassender Ersatz für touristische Beratung, geschweige denn von Reisen selbst. Aber Anfänge sind gemacht. Der Singapore Tourism Information and Services Hub, gewissermaßen ein asiatisches Gegenstück zum Knowledge-Graph-Projekt im Deutschland-Tourismus, ist bereits vernetzt mit asiatischen Metaverse-Plattformen. Er verfügt über eine eigene Avatare, Anwendungen für Exptended Reality und auch über eine Recomendation Engine, die Singapore-Urlaubern personalisierte Tourenvorschläge gemäß ihren Präferenzen macht.

Der Hub sei ein Teil eines lebendigen Labors, in dem Singapur die Zukunft des Reisens vorantreibe, sagte Keith Tan, CEO des Singapore Tourism Board der ITB. Dass die Anwendungsfälle für den noch nicht gelaunchten Knowledge Graphen Deutschlands spärlicher sind, ist für ihn logisch. Die Komplexität in Singapore sei kleiner, sagt er. im Mai diesen Jahres kann es aber auch in Deutschland mit dem Knowledge Graphen losghehen, sagtw Alexa Brandau, Direktorin Medie Management bei der DZT.

Der semantische Ansatz des deutschen Open-Data-Projekts ist eine gute Basis für generative künstliche Intelligenz a la ChatGPT. Und es steht im erkennbaren Kontrast zu Tourism Exchange Great Britain (TXGB), dem Datenbankprojekt von Visit Britiain. „WIr verknüpfen mit TXGB alle Segemente des Tourismus“, sagtE James Berzins Managing Director von TXGB, dessen Lösung gleichermaßen ein Informationssystem als auch ein Marktplatz ist. „Wir wollen den Destinationen gleichermaßen Buchungen, Innovation und Kollaboration geben „, betonte Berzins, der mit seinem Team stetig an Schnittstellen für neue Partner arbeitet.

Die Datenstrategien des Singapore Tourism Board (Keith Tan, links), Tourism Exchange Großbritannien (James Berzins, oben per Video-Einblendung) und der Deutschen Zentrale für Tourismus (Alexa Brandau, Mitte) haben ganz unterschiedliche Ansätze. Datenaggregation und permanente Weiterentwicklung sind stets die Basis.

3. Adaption ist der beste Weg zu Resilienz

Gerade das hohe Tempo an Innovationen erfordert in der technischen Umsetzung klare Ziele und Schnelligkeit. So kann digitale Business Intelligence dabei helfen, Ziele der Nachhaltigkeit nicht nur zu messen, sondern zu optimieren. Datenspezialisten wie Mabrian arbeiten gleichermaßen an Lösungen wie die etwa die Österreich-Werbung. Und selbst der Fachkräftemangel hat eine digitale Komponente.


Im mittelständischen Hotel Paulinen Hof in Bad Belzig hat General Manager Christian Rex sein Hotel so weit digitalisiert, dass sein Team deutlich mehr reale Freiheiten im Arbeitsalltag bekommen hat. Die Palette von IT-Lösungen, die der gelernte Koch implementiert hat, reichen von smarter Haustechnik bis hin zu digitaler Konferenztechnik. Nur an der Gastfreundschaft werde nicht gespart. „Genau dafür wollen wir alle mehr Zeit haben“, sagte Rex auf dem Future Work Track der ITB.

Der Paulinen Hof ist eines der kleinen Beispiele, das zeigt, dass es jetzt um die Umsetzung von digitalen Innovationen geht. Der gelernte Koch Rex hat in seinem Hotel aktuell keine freien Stellen zu geben. Die Mitarbeiterzufriedenheit ist hoch, ohne dass er sein Team in ein digitales Korsett sperrt. Er mache seine digitalen Hausaufgaben einfach so gut wie möglich, sagt Rex.

So gut wie möglich: Hotelier Rex bringt die digitalen Herausforderungen auf den Punkt. Abwarten auf die finale Marktreife neuer Technologien ist keine Option. Denn neue Technik wird niemals fertig sein. Weitere digitale Innovationen werden folgen, noch bevor die jetzt diskutierten Trendthemen die finale Marktreife haben. Auch der digitalen Wandel im Tourismus wird nicht enden Zur Erinnerung: wir müssen nicht jedes Detail der neuen Technik verstehen, wir müssen nur die Teile nutzbar machen, die uns und unseren Gästen einen Vorsprung geben.

In eigener Sache: Willkommen auf dem ITB Kongress 2024

Travel.Commerce. war einer von vielen Partnern des ITB Kongresses 2023 und hat gemeinsam mit neustaGrafenstein, der Fachhochschule Ostfalia und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt den Future Track, den Future Work Track und den Destination Track gestaltet. Auch für die ITB Data Talks auf der eTravelStage waren wir verantwortlich.

Wir freuen uns bereits auf jetzt auf die Mitgestaltung der ITB Convention 2024 vom 5. bis 7. März 2024. Und wir danken für die großartige und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Team der ITB Berlin und dem Board of Experts der ITB Convention.