Abba-Revival: Wenn Virtual Reality zum Reiseziel wird

Es ist viel diskutiert worden über die Potenziale von Virtual Reality in der Touristik. Doch bislang ist weder die viel gerühmte Oculus-Rift-Brille eine echte Stütze der Reiseberatung, noch sind realitätserweiternde Mobile-Apps der Standard unter den digitalen Reiseführern. Das ganze Thema scheint in der Ernüchterungsphase. Das wird sich ändern. Und zwar mit Wucht und vermutlich zeitnah. Mit der Abbatar-Tour der schwedischen Pop-Band Abba wird Virtual Reality erstmalig in größerem Maßstab selbst zum Reiseziel.

Komprimiert

Virtual Reality wird dann eine Faszination, wenn digitale Komponenten die Realität nicht verdrängen sondern sinnvoll bereichern. Es könnte ein Welterfolg werden, wenn die ewig jungen Hologramme von Abba mit echten Musikern auf eine nie dagewesene Konzert-Tournee gehen. Solche digitalen Highlights sind eine großartige Option, wenn ein absolutes Highlight fehlt, auch in der Touristik. Das Alpen-Panorama im Mittelgebirge, Goethe in Weimar, Erfurt oder Leipzig oer sogar die Schwerelosigkeit im Raumfahrtmuseum. Was Abba kann, können andere auch.

Ja. Es stimmt. Abba gehen wieder auf Tour. Und nach 35 Jahren gibt es pünktlich zu Weihnachten sogar wieder neue Songs, damit der Hype um die lange geplanten digitalen Abba-Konzerte so richtig in Fahrt kommt. Fast alles, was die Schweden bislang angefasst haben, ist  zu einem dramatischen Erfolg geworden. Es ist absehbar: Die (mindestens) zwei neuen Abba-Songs werden Welthits. Und die seit Jahrzehnten sehnsüchtig erwartete Tour ebenso.

Es ist durchaus clever von den in die Jahre gekommenen Bandmitgliedern Agnetha, Anna-Frid, Björn und Benny, die Strapazen dieser Tour selbst nicht anzutreten. So etwas könnte das eigene Denkmal ramponieren. Statt ihrer werden digitale Hologramme im besten Abba-Alter sie (quasi) live auf der Bühne vertreten. Kann das gut gehen? Gewiss. Nur zwei Argumente.
1. Es hat schon 2014 bei Michael Jackson ganz gut geklappt.

2. Und das ist in Relation zur Entwicklung dieser Technologie eine kleine Ewigkeit her. Die Abbatare werdenim Jahr 2019 kaum mehr zu unterscheiden sein von echten Künstlern. Und trainiert werden sie von ihren leibhaftigen Vorbildern selbst. Mimik und Gestik stammen von den vier Abbas persönlich. Und das machen die vier Schweden seit geraumer Zeit mit Akribie. Das hat schon was von einer echten Wiedervereinigung einer Band, oder? Und es wird sowohl für Abba- als auch für Technik-Fans ein Reiseanlass sein.

Ich habe angesichts der globalen Begeisterung für diese Band kaum Zweifel, dass die Abbatar-Tour nicht nur Abba zum wiederholten weltweiten Revival bringt sondern eben auch die dahinter stehende Technik, um die es aktuell ziemlich ruhig geworden ist. Gewiss, diverse Reisebüros präsentieren ihren Kunden ihre gern von Destinationen oder Kreuzfahrt-Anbietern gesponserten Oculus-Rift-Brillen. Jenseits der Gaming-Scene ist die Anzahl jener, die solch realitätsabschirmenden Geräte mit Genuss aufsetzen, jedoch bislang überschaubar.

In Vorbereitung des zu erwartenden Abbatar-Hypes ist die Zeit reif, über wirklich faszinierende Virtual-Reality-Anwendungen in der Touristik nachzudenken. Dabei mag es entscheidend sein, die Realität nicht zu verdrängen (siehe Oculus Rift) sondern sinnvoll zu erweitern. Das ist das, was digitale Vordenker als Augmented Reality definiert haben. Die Liste der per digitalem Hologramm zum Leben zu erwachenden Persönlichkeiten ist endlos. Könige, Dichter, Denker und gewiss noch ein paar Künstler mehr als eben Abba bieten sich an.

Aber Virtual Reality kann ja viel mehr darstellen als nur Personen. Historische Gebäude etwa (wie vielleicht die Akropolis) oder ganze Landschaften (wie die alpine Bergspitze im Mittelgebirge). Und wieso beschränken wir uns eigentlich auf den Seh-Sinn? Was wäre, wenn wir die Schwerelosigkeit virtuell nachbilden könnten?

Zugegeben: all das mag visionär klären, vielleicht sogar etwas realitätsarm. Das muss es aber nicht zwingend sein. Denn die neue digitale Technik ist nun verfügbar. Und sie kann ja auch ganz reale Nebeneffekte haben, etwa wie die neu aufgenommen Abba-Songs, die es ohne Virtual Reality vermutlich nicht gegeben hätte.

Und für alle Abba-Fans: Es ist ein falsches Gerücht, dass die echten Abbas niemals mehr gemeinsam auftreten und musizieren werden. 2016 haben sie in interner Runde (und von der breiten Öffentlichkeit unbeobachtet) bereits getan.

Dieser Abend war für Abba vielleicht der Grundstein für den erneuten Gang ins Tonstudio. Denn die Idee der Abbatar-Tour war damals vermutlich schon geboren. Der Auftritt selbst war eine solide Gesangsleistung der beiden Abba-Damen, aber vielleicht doch nicht die Weltklasse von einst. Muss ja auch nicht. Dafür gibt es künftig Augmented Reality. Und für vieles andere auch. Aber welche Anwendung hat das Zeug, Reiseströme zu verändern und neue Nachfrage in einer Destination zu generieren? Fragen wir doch mal die Produkt-Experten in der Touristik…

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