Die Phocuswright Conference 2018 in Florida ist vorbei. Twitter und diverse News-Kanäle sind voll von Nachrichten und Kommentaren. Ein paar Highlights für alle, die die deutsche Sprache bevorzugen. Damit übrigens befinden Sie sich in guter Gesellschaft.

Komprimiert

B2C-Innovationen werden rar, B2b boomt. China ist auf der Überholspur und wird zum globalen Riesen im Reisevertrieb. Artificial Intelligence ist kein Selbstzweck sondern elemantare Basis des Reisegeschäfts. Gut möglich, dass es mit Blockchain ähnlich sein wird.

1. Game over for B2C? Die Innovation kommt B2B

Die Plattform-Ökonomie zeigt drastische Folgen für die globale Online-Touristik. Primär die Marktführer machen das Geschäft. Für neue Marktplätze bleibt kaum Platz. Hinzu kommt die von Phocuswright so bezeichnete Funnel-Revolution. Die schon etablierten Anbieter machen sich breit in allen Wertschöpfungsketten des Reise-Prozesses, von Inspiration bis Buchung.  Für neue Marktbegleiter bleibt kein Platz.

Eine Konsequenz: Innovation verlagert sich radikal auf B2B-Geschäftsmodelle. Hier gibt es nach wie vor eine Flut von Start-Ups und Neugründungen. Im B2C-Markt sind die jungen Herausforderer eher handverlesen unterwegs. Was aber nicht heißt, dass künftig kein neuer Anbieter mehr einen der begehrten Plätze im Trichter der Kundenbeachtung finden kann. Dafür sorgt schon allein die Flut von Portalen aus…

2. China ist mehr als Alibaba und Ctrip

Die überaus dynamische Entwicklung in China ist ein Top-Thema in der globalen Reiseindustrie und weitgehend unterschätzt in Deutschland. Fast wöchentlich gehen Meldungen über Fundings für neue Travel-Portale ein: Tujia (ca. 300 Mill. USD), Klook (ca. 60 Mill. USD), Lvmama (ca. 120 Mill USD),… Sie kennen diese Marken nicht? Noch ist das keine Schande. In Zukunft möglicherweise schon.

3. AI ist kein neues Feature, es wird überall sein

Cartrawler-Boss Bobby Healy brachte es provokant auf den Punkt

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Unternehmen, die ausschließlich in künstliche Intelligenz investieren, werden zunehmend kritisch beobachtet. Wichtig ist die sinnvolle Vernetzung mit etablierten Prozessen und der Technologie im Reise-Vertrieb. Unwidersprochener Konsens: AI wird überall sein.

4. Blockchain: Hype oder eine echt Revolution?

Exakt darüber wird heftig unterschätzt. Das Lager derer, die Blockchain für einen kurzfristigen Trend halten, schmilzt jedoch beträchtlich. Ja, die Technologie ist komplex. Und zurzeit auch teuer und manchmal langsam. Das war es aber dann aber auch mit Nachteilen. Phocuswright-Analyst Norm Rose bringt es auf den Punkt.

Das ist genau der Punkt. Meine Meinung hierzu finden Sie hier. Blockchain ist touristisches Grundwissen. Spannend ist nur, wer von den kryptischen Ketten profitieren wird und wer nicht.

5. Phocuswright öffnet seinen Funnel: Phocuswire ist da

Technologie ist das Rückgrat des Reisevertriebs. Das ist noch keine News, sondern der generelle Leitspruch von Phocuswire, dem neuen Newsportal von Phocuswright. Ja, in diesem Segment sind schon einige Medien unterwegs, gerade auch jene, die mein geschätzter Kollege und Phocuswire-Chefredakteur Kevin May in der Vergangenheit selbst aufgebaut hat: Tnooz und Travolution.

Jetzt folgt Phocuswire. klar fokussiert auf digitale Themen. mit einem agilen Redaktionsteam, das von kommender Woche an ganz nah am digitalen Puls dieser Industrie sein wird. Und mit einem starken Analysten-Team von Phocuswright im Hintergrund, das in Einzelfällen zu fein ausgesuchten Themen fundiert Meinung beziehen wird. Die Premiere kommt aus meiner Feder. Und sie erklärt, weshalb Konsolidierung in Europas OTA-Landschaft unausweichlich sein wird.

Das wiederum ist ein anderes Thema. Eines für Phocuswright Europe vom 15. Bis 17. Mai in Amsterdam. Save the Date!

 

PS: Herzlichen Glückwunsch an Conichi und Beach-Inspector. Beide Unternehmen sicherten sich in Florida die begehrten Phocuswright-Innovation-Awards. Mathematisch betrachtet heißt das, zwei von elf Innovationspreise gingen nach Deutschland. Diese Quote ist eine hohe Meßlatte für kommende Jahre.

Sie ist aber nicht einzige Indiz aus Florida, weshalb die deutsche Sprache im globalen Reisevertrieb relevant bleibt. Googles Travel-Chef Oliver Heckmann kokettierte massiv mit seiner deutschen Herkunft und zeigte, wie Artificial Intelligence bereits den Google Translator verbessert hat. Was will uns Heckmann damit sagen? Ich erlaube mir eine Interpretation: Erstens: Genau das dürfen wir Google in Zukunft auch von touristischen Daten erwarten. Und zweitens: Die US-Company Google versteht exzellent, wie der Reisevertrieb in Europa funktioniert. Das mag man wahlweise als Chance oder Bedrohung verstehen.

Die (deutschsprachige) Botschaft, die Heckmann in Florida für seine AI-Demonstration nutzte, kommt in meine Zitatesammlung:

Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

„Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, Googles Travel-Chef Oliver Heckmann bei Phocuswright.