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AI Everywhere. Und die Touristik mittendrin.


Die Spielregeln im Reisevertrieb verändern sich schneller als je zuvor. Künstliche Intelligenz verschiebt nicht nur Prozesse, sondern die Machtverhältnisse. Was gestern noch Buzz war, wird jetzt Realität: AI-native Reisen. Inspiration, Planung, Buchung und Service werden neu gedacht. KI-Agenten begleiten Gäste im Dialog – und führen eigenständig zur finalen Buchung. Auf einem der global wichtigsten Hotspots für digitale Tourismustrends wurde das überdeutlich: der Phocuswright Conference 2025 in San Diego. Kaum ein anderes Thema. Kaum eine Session ohne AI. Vier zentrale Erkenntnisse.

Komprimiert

Die Reisebranche erlebt den größten Wandel seit dem Siegeszug des Online-Vertriebs. Künstliche Intelligenz wird zum Dreh- und Angelpunkt für das Reisen: Immer mehr Reisende nutzen die KI zur Planung und bald auch zur Buchung. Klassische Suche verliert an Relevanz. Die Inspiration findet zunehmend im Dialog mit KI-Agenten statt. Marktführer wie Expedia und Booking können bereits Agenten-basiert buchen, seit vergangener Woche auch in Google Gemini. Die Zukunft des Reisens wird AI-native: personalisiert, automatisiert und grenzenlos komfortabel. Wer jetzt handelt, gestaltet den Wandel. Wer wartet, riskiert den Anschluss zu verlieren.

Die große Phocuswright-Konferenz in den USA ist einer der zentralen Hotspots für digitale Trends im Tourismus. Seit den 90er-Jahren diskutiert die Branche hier über den Siegeszug des Online-Vertriebs, später über digitales Marketing und die Rolle Googles und anderer Gatekeeper. So monothematisch wie in diesem Jahr war die Konferenz selten zuvor. Keine Session ohne AI. Das ist bemerkenswert. Bündeln wir die Erkenntnisse.

1. KI ist tatsächlich überall

…nicht nur auf der Phocuswright-Konferenz. Die Nutzung von AI-Tools zur Reiseplanung steigt sprunghaft auf zuletzt 39 % (laut Phocuswright-Research in den USA, siehe Titelbild). Viel entscheidender ist laut Phocuswright aber der in Zahlen meßbare Trend:

2. KI ersetzt die Internet-Suche

Laut Phocuswright-Researchern Mitra Sorrells und Pete Comeau geht die zunehmende Nutzung von KI-Plattformen vor allem zu Lasten der klassischen Internet-Suche. Während Bewertungsportale wie Tripadvisor und soziale Netzwerke stabile Zugriffe haben, verlieren vor allem Dinge Google & Co. User an die neuen KI-Tools. Entscheidend ist der Trend der pinken Linie auf dem Bild unten (besser sichtbar als Phocuswright-Pulse auf Linkedin). Dass KI-User demnach aktuell ein höheres Reisebudget haben, sei am Rande bemerkt.

Die KI-Reisesuche kommt, die klassische Internet-Suche. Mitra Sorrells und Pete Comeau machen den Trend sichtbar.

Google hingegen sieht sich gut gerüstet:

3. KI allein ist nicht genug

…sagte Google’s Product Manager James Bryers. Es folgt eine lange Liste, was wirklich wichtig ist: die Zusammenhänge erkennen und den Zauber der KI an den User anzupassen. Und dazu bedarf es allem, was relevant ist, Bryers spricht von Rich Content, der richtigen Nutzung der Knowledge Graphen (gemeint sind jene von Google), aber auch das korrekte Einbinden von Preisen und Verfügbarkeiten. Und damit jenen sensiblen Angaben im Tourismus, die kein Knowledge Graph listet.

Auf diesem Zusammenspiel basiert auch Googles neues Agentic Booking Model, das Google einen Tag vor der Konferenz vorstellte. Es ist das Gegenstück zu OpenAI’s Agentic Commerce. Ebenso wie der Marktbegleiter ermöglicht es One-Stop-Shopping inklusive Bezahlung. Zum Anfang ist es beschränkt auf wenige Partner (Expedia, Booking, einige Hotelketten) und ist vorerst in Europa nicht verfügbar. Vorerst.

4. KI wartet nicht. Die Marktführer haben sie schon.

Siehe 3. Es sind Expedia, Booking und einige primär US-amerikanische Hotelketten, die über Agentic Apps und performante MCP-Server zu den Launch-Partnern der KI-basierten Reisebuchung gehören. Dabei wird es nicht bleiben. Aber ob und wie die europäische Tourismuswirtschaft diesen Vorsprung aufholen kann, bleibt eine spannende Frage.

Amerika First: Aus Respekt vor der EU, nicht vor Trump


Kaum ein Reise-Unternehmen, dass in San Diego nicht zumindest informell die Entwicklung von smarten KI-Lösungen angekündigt hat. MCP-Server und intelligente Software sind auf dem Vormarsch. Meistens jedoch kommen sie mit erheblicher Verzögerung in Europa zum Einsatz. Und das ist kein vorauseilender Gehorsam gegenüber der US-Regierung, sondern tiefer Respekt (bis Angst) vor einer strikten EU-Regulierung. Datenschutzrichtlinie, Digital Marketing Act und AI Act sind nur bedingt kompatibel mit experimenteller Innovation.


Allerdings: Bis zur ITB in Berlin am 20. März wird die Liste der KI-Innovationen in Europa eutlich länger sein. Vermutlich werden wir Agenten und Shopping-Funktionen im Überfluß sehen. Travel.Commerce. präsentiert auf der ITB Berlin Convention am 4. März auf der eTravelStage in Halle 6.1 den AI Track und am Folgetag den Travel Tech Track. Ich verspreche, es wird spannend.

Game on!

Die Analyse gibt es auch in Englisch auf Substack.

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