Donald Trumps Travel Ban und die Folgen: Airbnb ist der moralische Gewinner des Medienspektakels Superbowl. Uber muss gegen einen Shitstorm ankämpfen, weil das Unternehmen sich nicht schnell und klar genug mit Protesten gegen den Travel Ban solidarisiert hat. Und die IT-Riesen Google, Facebook und Apple sind die Spitze einer spektakulären Technologie-Allianz gegen einen US-Präsidenten, der Grenzen verschiebt: auch die zwischen Public Relations, Marketing und Politik.

 

Komprimiert

Seit jeher ist die Touristik gut damit gefahren, im Marketing und in der Kommunikation politisch neutral zu bleiben. Nun rüttelt der neue US-Präsident Donald Trump nicht nur an Grundpfeilern der transatlantischen Weltordnung sondern auch am politischen Selbstverständnis der Reiseindustrie. In der Woche nach dem von Trump verhängten Einreisestopp sollten wir zur Kenntnis nehmen: Wer zur rechten Zeit die richtigen Botschaften sendet gewinnt. Und wer zu spät reagiert wird gnadenlos abgestraft.

Sonne, Spaß, und Schnäppchen: die Kernattribute des touristischen Marketings sind seit Jahrzehnten klar definiert. Nicht nur für Reiseanbieter sind politische Statements gemeinhin passé. Bislang. Die Diskussion um Donald Trumps lehrt uns das Gegenteil. Drei Beispiele aus den vergangenen Tagen.

1. Silicon Valley vs. Donald Trump

Ausgerechnet der pulsierende Teil der US-Wirtschaft positioniert sich quasi einstimmig gegen den Einreisestopp und damit zumindest gegen einen Teil der Politik des neuen US-Präsidenten. Google, Apple, Facebook, Microsoft und Ebay führt eine Riege von Tech-Unternehmen an, die mit ihrem öffentlichen Statement dazu beigetragen haben, dass auch das Berufungsgericht in San Francisco die Wiedereinführung des von Trump verhängten Einreisestopps gebremst hat.

Ein paar Unternehmen fehlen hier, sind aber trotzdem aktiv. Expedia-CEO Dara Khosrowshahi, selbst Einwandererkind aus dem Iran, hat sich in einem Mailing an seine Mitarbeiter ebenso eindeutig gegen den Travel Ban posititoniert wie Tripadvisor-CEO Steven Kaufer, der den Travel Ban in einem Linkedin-Post als „herzlos und diskriminierend“ bezeichnet.

Und es bleibt nicht bei Worten: Kaufer stellt fünf Mio US-Dollar Unterstützung für Flüchtingsarbeit in Aussicht. Expedia-Boss Khosrowshahi beteiligte sich gemeinsam mit Amazon-CEO Jeff Bezoz am ersten Gerichtsverfahren am Bundesgericht im Bundesstaat Washington. Die boomende Tech-Branche der USA sitzt eben nicht nur im Silicon Valley, sondern offenbar überall dort, wo gegen den Travel Ban geurteilt wird. Im aktuellen Werbespot setzt Expedia mehr denn je auf Tolerenz und Völkerverständigung. „Wir glauben, dass Reisen die Kraft hat, die Welt zu verändern“, heißt es hier:

2. Uber kommt zu spät bei seinen Kunden an

Wenig beachtet in Deutschland liegen hinter Uber-CEO Travis Kalanick herausfordernde Tage. Kalanick hat den Protestbrief der Tech-Giganten aus dem Silicon Valley unterschrieben und trat jüngst aus dem wirtschaftlichen Beraterkreis von Donald Trump zurück. Dennoch hat Uber laut Medienberichten nun rund 200.000 Nutzerprofile verloren, weil ein digital gepushter Boykottaufruf Früchte trug. Wie das?

Kalanick war mit all seinen Taten etwas zu spät. Am meisten geärgert hat offenbar eine gutgemeinte Offerte vom 29. Januar: Während die New Yorker Taxiindustrie aus Protest vor dem Travel Ban für eine Stunde den Flughafen JFK nicht anfuhr, schloss sich Uber der Aktion nicht an. Via Twitter kündigte das Unternehmen immerhin an, auf die sonst in nachfragestarken Zeiten fälligen Aufschläge zu verzichten.

Der Rest lässt sich unter den Hashtags #boycottuber und #deleteuber nachlesen, die auch von Taxiunternehmern in aller Welt mit Wonne geteilt wurden. Seit dem 29. Januar ist der Twitter-Kanal @Uber_NYC verstummt. Das Austrocknen dieses hochpolitischen Themas funktioniert erst langsam und dürfte wirtschaftlichen Schaden hinterlassen.

3. Airbnb gewinnt den Superbowl 2017

Airbnb hingegen ging in die Offensive und nutzte das Medienspektakel Superbowl am Sonntag für einen weltweit beachteten und vermutlich spontan produzierten Werbespot für Toleranz. Natürlich erwähnt das Unterkunftsportal in seinem Spot weder Donald Trump noch seinen Travel Ban. Es sind die User der sozialen Netzwerke und in beachtlichem Umfang traditionelle Medien, die für den Senkrechtstarter nun diese inhaltliche Brücke bauen. Auch wenn der gewählte Hashtag #weaccept keine große Reichweite bringt, allein über Twitter wurde das Video mehr als 2,6 Mill. angeschaut.

Die Kampagne ist stringent, sie setzt geschickt Botschaften, denen auch Trump-Anhänger öffentlich schwer widersprechen können. Dennoch wird sie als gradlinig, klar und mutig wahrgenommen.

Gradlinigkeit, Klarheit und Mut – das sind  jene Attribute, die die Markenkommunikation im Auge behalten sollte. Das politische Neutrum, das in der Touristik häufig als braungebrannter Guter-Laune-Typ daherkommt, hat in den vergangenen Wochen an Strahlkraft verloren.