Pünktlich zum traurigen Todestag von Thomas Wagner köcheln die Gerüchte um Unister wieder hoch. Zur Unzeit spekuliert der Insolvenzverwalter über Insolvenzverschleppung, ohne dafür Beweise vorzulegen. Drei simple Fragen zeigen auf, dass Thomas Wagner besser gewirtschaftet haben dürfte, als bislang dargestellt.

Komprimiert

Es ist viel berichtet worden, über die angeblichen Fehler von Unister-Gründer Thomas Wagner. Sein naher Todestag darf Anlass sein, um zumindest Teile davon in Frage zu stellen. Dies ist kein investigativer Insider-Report, sondern eine nüchterne Analyse der jüngsten Headlines. Und ausschließlich dieser.

Ein aktuelles Interview von Unister-Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther macht mich traurig. Nein, es ist nicht die heldenhafte Kür eines Insolvenzverwalters, den Verdacht auf Insolvenzverschleppung zu prüfen. Es ist seine gesetzliche Pflicht, die Ansprüche der Gläubiger bestmöglich zu bedienen. Nichts anderes ist die Anfechtung von Zahlungen vor der Insolvenz.

Schon seit Monaten wabern entsprechende Gerüchte durch die Medien, dass der Insolvenzverwalter dieser Pflicht nunmehr nachkommt. So formuliert klingt das ziemlich langweilig. Und deshalb waren die Headlines meist auch etwas prominenter formuliert, zum Beispiel: „Google soll für Unister-Pleite bezahlen“.

Bislang waren das Gerüchte. Exakt drei Tage vor dem dramatischen Tod von Thomas Wagner ging Flöther mit diesem Thema ins Rampenlicht, ausdrücklich ohne belastende neue Beweise vorzulegen, wie er selbst einräumt. Und streng genommen auch, ohne relevante Neuigkeiten zu nennen. Aber das dominierende Thema zum Todestag von Thomas Wagner ist damit gesetzt. Ich halte das für ein pietätarmes Timing.

Zum Todestag von Thomas Wagner wünsche ich mir Fakten statt die sich wiederholende Befütterung von Gerüchten, die bei genauer Betrachtung brüchig werden. Wenn es um die Insolvenz geht – und nur darum kann es in diesem Beitrag gehen – dann sind diese Fragen hier  wirklich wichtig.

1. Wieso ist es offenbar schwierig, die von führenden Medien kolportierte Gesamtschuld von 163 Mill. Euro aus der Insolvenzmasse der Unister-Gruppe zu erlösen?

Bis zu einer Milliarde Euro soll die Unister Group angeblich in besseren Jahren wert gewesen sein. Das ist ebenso unbestätigt wie der Schuldenberg von 163 Millionen Euro. Aber beides ist durch zahlreiche Veröffentlíchungen zur öffentlichen Meinung geworden. Gewiss, ein Wertverlust in einer Insolvenz ist unvermeidlich. Aber was, außer eben der Insolvenz, trägt dazu bei, dass der Kurs in den Keller geht, und zwar ganz offenbar deutlich unter Schuldenstand? Denn nur, wenn noch offene Schulden auf Schuldner verteilt werden müssen, macht eine Anfechtung Sinn. Was war und was ist die insolvente Unister Group und ihre Assets eigentlich wert? Und welchen Einfluss haben permanente Negativ-Schlagzeilen (wie eben der gestrigen) auf Kaufpreise? Damit eng verbunden ist eine weitere Frage:

2. Kann das Touristik-Geschäft von Unister überhaupt defizitär gewesen sein?

 Laut Flöther schrieb Unister im Dezember 2016, „wieder schwarze Zahlen“.  Aber was war zuvor? Darf ein Insolvenzverwalter Unternehmen fortführen, die nicht operativ profitabel sind? Flöther hat mit seiner Fortführung im Juli 2016 Geduld und Vertrauen in die Performance von Unister Travel bewiesen. Hätte er dies dürfen, ohne schwarzen Zahlen zu schreiben? Er hätte dies nach eigenem Bekunden auch noch länger getan, wäre es im Dezember 2016 nicht zum Verkauf der Reise-Portale an Rockaway Capital gekommen. Das hat ihm Respekt eingebracht. Aber gilt der Respekt nicht eher anderen, wie etwa Firmengründer Thomas Wagner, der zumindest seine Reiseportale robust genug aufgestellt hatte, um auch diese Krise zu überstehen? Wagner mag aus mannigfaltigen Gründen in seinem Konzern Schulden gemacht haben. Aber kann Unister Travel auch nur theoretisch operativ defizitär gewesen sein?

3. Wie steht es um die von Flöther angeblich kalkulierte rechnerische Insolvenzquote von nur 0,244 Prozent? 

Wie kommt so eine Zahl überhaupt in die Öffentlichkeit? Was soll sie dort bewirken? Und wieso bleibt sie unwidersprochen, obwohl allein der Verkauf der Reiseportale mutmaßlich mindestens hohe zweistellige Millionen-Erlöse in die Kasse gespielt haben dürfte?  Stimmen die zuvor gedruckten Zahlen (was abwegig genug ist), dann könnte der Verkauf von Unister Travel und anderer Assets rein rechnerisch kaum mehr als 400.000 Euro erlöst haben. Das wäre viel zu wenig.

 

Und noch etwas interessiert mich: Hat der Insolvenzverwalter eines Unternehmens die Legitimation, öffentlich zu behaupten, die Erben von Thomas Wagner hätten das Erbe nicht ausgeschlagen? Und wenn er schon dabei ist: Von welchem Erbe redet er überhaupt? Kann es theoretisch überhaupt etwas zu erben geben, wenn zugleich eine Anfechtung geprüft wird? Versteckte Rücklagen könnten eine wohl allenfalls theoretische Option sein. Doch hätte Thomas Wagner diese gehabt, wäre es dann zu einem RIP-Deal in Venedig gekommen? Das wiederum ist ein ganz anderes Thema des Dramas um Thomas Wagner.

„…Und bei Thomas Wagner haben die Erben nicht ausgeschlagen. Ob die Ansprüche mit Erfolg geltend gemacht werden können, ist die spannende Frage“, sagt Flöther im dpa-Interview. Es ist an der Zeit, Antworten auf neue spannende Fragen zu finden. Sie sollten eigentlich vorliegen.

Disclaimer: Der Autor dieses Textes war von Dezember 2014 bis September 2016 für die Kommunikation von UNISTER Travel sowie später auch der UNISTER Holding verantwortlich.
Dieser Text dient der vielfach gewünschten Aufklärung der Öffentlichkeit über die Insolvenz der Unister Gruppe. Er beruht ausnahmslos auf öffentlich verfügbaren Quellen und eigener Einordnung und beschäftigt sich ausschließlich mit der Suche nach Antworten auf wichtige Fragen zum Insolvenzverfahren. Er gibt nicht umfassend die Meinung des Autors wieder, die er aufgrund des eigenen Engagements für Unister bis auf weiteres für sich behält.