Google Travel ist im Anflug: Weshalb Book On Google erst der Anfang ist

Book on Google, die vollständige Integration externer Buchungsprozesse in die Google-Umgebung, kommt nach Europa. Die Ankündigung hat in dieser Woche für viel Wirbel gesorgt. Aber Book On Google ist offenbar nur ein Baustein der neuen Tourismusstrategie von Google. Der neue Reisemarktplatz Google Travel bringt die nahtlose Integration der Buchungstools von Google mit der Planungs-App Google Trips. Was wir bislang wissen.

Komprimiert

Google Travel kombiniert das Beste aus den heute bekannten touristischen Google Tools (Trips, Flights, Hotelsuche, Packages) mit einer deutlich vereinfachten Buchungsführung. Book On Google ist mobile first gedacht. Und so feiert Googles neues Reiseportal klammheimlich im Mobile Commerce seine Premiere. Die Desktop-Version wird folgen. Für Leistungsträger und OTA bleibt ein schwacher Trost: Die Tools sind viel zu gut und potentiell gewinnbringend, als das Google der Verlockung erliegen würde, selbst zum Mittler oder gar zum Veranstalter zu werden.

Book On Google, jetzt erhältlich in Europa: Mit dieser Meldung haben die gemeinhin bestens informierten Kollegen von Mirai in dieser Woche einigen Wirbel in der digitalen Touristik-Szene ausgelöst. Dass, was im amerikanischen Epi-Zentren des Google-Reichs seit 2015 etabliert ist (übrigens mit der Deutschen Lufthansa als Launch-Partner), ist nun auch auf dem alten Kontinent verfügbar: nämlich die nahtlose Integration von externen Buchungsfunktionen etwa von Airlines sowie auch Hotels und OTA in einer einheitlichen und smarten Benutzerführung von Google.

Man muss aktuell etwas suchen, um „Book On Google“ auf deutschen Google-Seiten zu finden. Erstmalig geglückt ist es mir beim Novum-Hotel Hamburg Zentrum, fußläufig zum Büro von Rogl-Consult. Nein, die kleine Hotelkette hat vermutlich (noch) keine Direktanbindung an Google. Die Rolle übernimmt HRS, das sich in der etablierten Hotelsuche von Google-Maps vorerst via Anzeige für seine direkten Dienste anbietet. Die neuen Funktionen werden plakativ angekündigt:

HRS „powered by Google“: so präsentiert sich der Einstieg in Googles neue Buchungswelt. Der Buchungsdialog ist kurz und einfach, der Zahlungsprozess smart. Die Transparenz, wer hier Mittler und Anbieter ist, scheint gegeben.

Wer hier ein Hotel bucht, verlässt die Google-Umgebung nicht mehr. Auf einem Desktop-PC spielt das keine große Rolle, wohl aber in der mobilen Welt, in der Kundenprofile und Zahlfunktionen zumeist erst nach aufwändiger Registrierung funktionieren (oder eben auch nicht). Und genau darum geht es bei Book On Google. Wer es auf dem Smartphone probiert, der merkt die maximale Beschleunigung im Buchungsprozess. Die Verlockung, noch einmal in eine andere App zu wechseln, sinkt rapide.

Google.de/Travel wird der zentrale Reisemarktplatz

Wer sein Smartphone zur Hand nimmt, der sieht bei sorgsamer Betrachtung aber auch URL, die bei Google bislang ins Leere liefen, allen voran www.google.de/travel. In der Desktop-Welt wird diese Web-Adresse bislang noch auf Google Flights weitergeleitet. Nicht so via Smartphone. Hier öffnet sich plötzlich ein Reisemarktplatz, der es in sich hat:

Googles neuer Travel-Marktplatz: Via Mobile werden Googles populärsten Reisetools kombiniert.

Google Travel bietet bislang die Buchungstools für Flüge, Hotels sowie die zuvor nur im Beta verfügbare Package-Suche, die wiederum Pauschalreisen und individuelle Bausteinreisen kombiniert. Ergänzt wird das durch Tourenvorschläge und Reisepläne, die aus dem Reiseplanungs-App Google Trips kommen. Weitere Ausbaustufen sind jederzeit denkbar, beispielsweise die bislang nur im Beta verfügbare Eventsuche Touringbird und all das von Google, was wir Ihnen schon immer zur Lektüre empfohlen haben.

Warum Google Travel kein Online-Reisebüro wird

Ich habe Google nicht um eine offizielle Stellungnahme gebeten, ich kenne auch keine internen Release-Pläne für touristische Tools. Es ist nicht auszuschließen, dass „Google Travel“ genau so leise verschwindet, wie es gekommen ist. Wahrscheinlich ist das aber nicht. Dafür ist das Tool schon heute zu mächtig.

Fakt ist: dass, was viele Touristiker schon immer respektvoll „Google Travel“ genannt haben, ist auf einmal da. Viele von uns sahen darin bislang ein neues Mega-Online-Reisebüro und einen Generalangriff auf Reisebüros und vielleicht auch auf Direktanbieter. Ich teile diese Skepsis traditionell nicht. Die Gründe dafür sind simpel und kompakt:

  1. Google verdient mit seinem bestehenden Suchmodell deutlich mehr als eben als Mittler oder gar Veranstalter. Ein Blick auf die Margen aller Parteien spricht Bände.
  2. Google muss sich überhaupt nicht die Mühe machen, die rechtlichen Risiken der Haftung einzugehen. Das Geschäftsmodell ist denkbar simpel und hoch effizient.

Was aber Google macht ist eine gnadenlose Weiterentwicklung seiner einst suchbasierten Reisetools hin zu einem vollwertigen Reisemarktplatz, der geeignet ist, die aus SEM bekannte Dominanz der Suchmaschine im Reisevertrieb weiter zu festigen und auszubauen. „Mobile first“ und die nahtlose Integration des Buchungsprozesses in „Book On Google“ sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren.