Airbnb kauft zwei deutsche Ferienhaus-Portale aus der zweiten Reihe und stellt umgehend ihren Betrieb ein. Hotelbeds verleibt sich GTA ein und wird der dominierende Platzhirsch unter den globalen Bettenbanken. Und der Betreiber dieses Blogs ist künftig auch als Europa-Analyst für Phocuswright tätig. Was jeweils dahinter steckt.

Komprimiert

Die globale Einkaufstour von Airbnb hat Deutschland erreicht. Mit dem Investment in Vacaleo und Fewo Vista gewinnt der Sharing-Gigant vor allem Kompetenz im klassischen Ferienhausmarkt. Die Fusion der ohnehin klar führenden Bettenbanken Hotelbeds und GTA wird massiven Einfluss auf den globalen Hotel- und Veranstaltermarkt haben. Und ich persönlich freue mich, die einzigartige globale Marktkompetenz von Phocuswright um eine europäische Note zu bereichern.

Drei neue Bündnisse mit völlig unterschiedlicher Dimension, Intention und Auswirkung. Es gibt primär eine Gemeinsamkeit: Sie sind erklärungsbedürftig. Gehen wir es an:

Airbnb übernimmt Vacaleo und Fewo Vista

Eine exklusive Meldung auf fvw.de, dazu ein kurzer Abschiedsbrief auf der Startseite von Fewovista.de: Nachdem die Übernahmen insbesondere des Zahlungsdienstleisters Tilt und des Luxusapartment-Spezialisten Luxury Retreats ein weltweites Medienecho hervorgerufen haben, verlief der jüngste Zukauf von Airbnb relativ unspektakulär. Die Vacaleo GmbH, zu dem auch das Ende des vergangenen Jahrtausend gegründete Ferienhaus-Portal Fewo Vista gehört, stellte seinen operativen Betrieb darauf umgehend ein.

Unspektakuläres Ende von Fewovista.de: Technik und Know-How kann Airbnb künftig anders nutzen.

Was also soll das? Offizielle Aussagen sind nicht bekannt. Also dürfen wir interpretieren. Vacaleo, als Meta-Searcher primär für den europäischen Ferienhaus-Markt an den Start gegangen, hat offenbar etwas, was Airbnb nicht hat. Da der Betrieb eingestellt ist, sollte dieser USP in den Bereichen Know-How und Technologie liegen. Vacaleo verfügt über direkte und mutmaßlich gut gepflegte Schnittstellen zu zahlreichen Ferienhaus-Anbietern. Die sind wertvoll für einen Giganten aus der Sharing Economy, wenn er sich zunehmend dem traditionellen Ferienhaus-Geschäft öffnet.
Dieser Markt wiederum passt nur bedingt in die auf private Unterkünfte und deren Gastgeber zentrierte Selbstpositionierung von Airbnb. Und  just diese potenzielle Unwucht in der Außendarstellung dieses Deals mag ein Grund sein, weshalb Airbnb ihn relativ still vollzogen hat.

Hotelbeds übernimmt GTA

Dies ist unbestritten der größte Deal für die globale Tourismuswirtschaft in den vergangenen Wochen. Die beiden schon jetzt mit Abstand führenden Bettenbanken gehen gemeinsame Wege. Natürlich ergänzen sie sich prächtig. Hotelbeds mit seinem Fokus auf globale Warmwasser-Destinationen und der traditionell im Städteurlaub gewachsene Erzrivale GTA bündeln ihre Kräfte, wenn die Kartellbehörden den Deal durchwinken.

Hier entsteht ein Bettenbank-Gigant, der eine massive Herausforderung für Reiseveranstalter, Mittler aber auch Hoteliers in aller Welt ist. Denn Bettenbanken sind das zentrale Rückgrat gerade auch im Veranstalter-Geschäft. Und mit ihrem Leistungsportfolio, von Destinations Service bis hin zu Ausflügen und Events, sind sie nicht nur für Hotels ein unverzichtbarer Partner, sondern auch für viele Destinationen. Hinzu kommt, dass die neue Hotelbeds Group nun eine Größe erreicht, die den ganz großen Hotelmittlern im globalen Geschäft Paroli bieten kann.

Was die Folgen dieses Deals sind, wird Joan Vila, Executive Chairman von Hotelbeds, am 17. Mai auf der Konferenz Phocuswright Europe in Amsterdam beleuchten. Die Besonderheiten des globalen Bettenbankenmarktes, seine potenzielle Größe und die nun möglicherweise exponierte Rolle der Noch-GTA-Tochter MTS Globe ordnet Phocuswright in einem Research Update ein, dass ich sehr zur Lektüre empfehle. Denn…

Research Update von Phocuswright über Hotelbeds: Europäische Perspektive, globale Einordnung

Dirk Rogl wird Analyst bei Phocuswright

…ausnahmsweise an dieser Stelle in eigener Sache: Ich freue mich sehr, neben meinem vielfältigen Engagement für Rogl Consult künftig auch als Analyst für Phocuswright tätig zu sein. Phocuswright hat sich über viele Jahre mit viel Herzblut und Kompetenz zur globalen Instanz für Market Intelligence und Innovation in der Touristik entwickelt. Die Marktstudien von Phocuswright sind die globale Benchmark, die Kongresse ein einzigartiger Hotspot für Innovation und Networking.

Mein Ziel bei Phocuswright ist es, das enorme Wissen von Phocuswright über den globalen Reisemarkt um eine weitere europäische Komponente zu bereichern. Es lohnt sich für alle, die Feinheiten des europäischen Marktes und auch seiner deutschen Ausprägungen in einen globalen Kontext zu stellen. Sichtbar wird das auf der Europa-Konferenz von Phocuswright vom 16. bis 18. Mai in Amsterdam sehr, deren Besuch ich Ihnen sehr ans Herz lege.

Bei Phocuswright Europe geht es um die Zukunft unserer Industrie, wie immer getrieben von technischer Innovation aber eben auch von der Politik. Die neue Pauschalreiserichtlinie und die anstehende Revision des Verbraucherschutzrechts sind Themen, die Phocuswright erstmalig in ein Executive Panel gegossen hat, das ich moderieren darf. Ich freue mich sehr darauf.