Royal Caribbean verkauft jetzt Ausflüge und Aktivitäten, die Hotelkette Marriott kümmert sich per Metasearch sogar um die globale Vergleichbarkeit dieses Segment und ein asiatisches Aktivitäten-Portal ohne globale Abdeckung sammelt 30 Mill. US-Dollar Kapital ein. Das Rennen um die Pole Position in einem gar nicht so neuen Marktsegment beschleunigt sich rasant. Ein Airbnb-Effekt?

Komprimiert

Kein touristisches Marktsegment ist so unerschlossen wie Tours & Activities. Und keines ist derzeit so hart umkämpft. Wer mit lokalem Content in Führung geht, hat den Kundenzugang während der Reise. Während Start-Ups und Leistungsträger in diesen Markt investieren, müssen die Destinationen, Reiseveranstalter und Incoming-Agenturen als etablierte Player in diesem vielschichtigen Markt ihre Position in diesem Markt neu definieren und festigen.

Es sind zwei Meldungen einer großen Geschichte. Erstens verkündet der Hotel-Riese Marriott seinen Einstieg in Place Pass, ein Vergleichsportal für lokale Touren und Aktivitäten. Und zweitens launcht der Kreuzfahrt-Riese Royal Caribbean sein Event-Portal Gobe.com, um eben diese im globalen Maßstab verfügbar zu machen.

Ist das für die beiden Traditionsunternehmen nun jeweils ein dosiert disruptiv wirkendes Investment in ein dynamisches Start-Up oder ein wohl durchdachter Strategieschwenk? Vermutlich beides. Es bedarf keiner Hotelkette und keines Kreuzfahrtkonzerns, um Events und Ausflüge global verfügbar zu machen. Der Versuch ist jedoch aller Ehren wert.

Gemeinhin sind es, je nach Zielmarkt, primär Incoming-Agenturen und Destination Marketing Organisationen (DMO), die lokale Ausflüge und Attraktionen bündeln und buchbar machen. Dies geschieht bislang auf vielfältige Weise, etwa über lokale Tourismuszentralen, Reise-Veranstalter und natürlich über hierauf spezialisierte Intermediäre, wie dem deutschen Platzhirschen Getyourguide und seine Mitbewerber.

Die Zahl der Mitbewerber ist zuletzt rasant gestiegen. So hat das asiatische Aktivitäten-Portal Klook in diesem Monat 30 Mill. US-Dollar eingesammelt. Eine Menge Geld für einen Anbieter, der mit seinem Angebot keinen globalen Anspruch hat. Ausaufähige rund 10.000 Aktivitäten hat Klook angeblich im Angebot.

Gobe.com etwa ging in dieser Woche mit Angeboten in 897 Städten an den Start. Daran hat die Reederei Royal Caribbean seit zwei Jahren dezent gearbeitet. Die Reedereien optimieren ihre Margen seit jeher mit dem Verkauf von Ausflügen aller Art an seine Gäste. Es ist naheliegend, dies zu bündeln und auch jenseits der Kreuzfahrt verfügbar zu machen. Royal Caribbean hat es getan. Wetten, dass sich die maritime Konkurrenz über diesen Vorsprung mächtig ärgert?

Spannender schon, weshalb eine Hotelkette gleich in einen Metasearcher für dieses Segment investiert. Erstens: siehe oben. Der Wettbewerb und die Zahl der Portale und Angebote steigt enorm.  Transparenz macht Sinn. Und zweitens: Tours und Aktivitäten sind das Maß aller Dinge. Wer den Zugriff auf diesen Reisebaustein hat, der hat wesentlichen Anteil an der Gestaltung des Urlaubs. In der Pauschaltouristik liegt diese Kompetenz beim Reiseveranstalter. Für Individualreisende ist die Tourist-Info ein bewährter Anlaufpunkt.

Doch die Dinge ändern sich. Ausgerechnet Airbnb hat dies zuerst erkannt. Im Mai starten die von privaten Angeboten geprägten Airbnb Attractions auch in Deutschland. Uniqueness ist garantiert, eben weil Airbnb (zumindest vorerst) nicht auf kommerzielle Angebote setzt. Und Airbnb Attractions ist eben nur ein Teil des Trip-Konzepts, über dessen Komponenten die Amerikaner mal laut mal leise nachdenken. Es gibt kaum eine Form von lokalen Angeboten, die hier nicht möglich wären.

Just deshalb hat die Investment-Rallye im Segment Tours & Aktivitäten wohl gerade erst begonnen. Nicht jeder kann hier Erfolg haben. Das gilt aber insbesondere für jene, die gar nicht erst mitmachen. Erfolgreiche Portale wie das deutsche Start-Up Getyourguide dürften dadurch deutlich an Marktwert gewinnen.

Veranstalter-Primus TUI hat sich übrigens gerade still und leise von einem solchen Portal getrennt. Isango gehört zur im September 2016 von TUI verkauften Hotelbeds-Gruppe, die trotz angekündigter Wachstumsstrategie in diesem Segment zumindest ihre deutsche Homepage arg stiefmütterlich behandelt.

Im Impressum von Isango.de noch ein Teil der TUI-Group: Der Activities-Spezialist Isango gehört jetzt zu Hotelbeds.

Das Impressum erinnert auch sechs Monate nach der Trennung noch daran, dass die TUI-Group im Boom-Markt Tours & Activities ganz vorn hätte mitspielen könnte. Das versuchen nun andere.