Airbnb hat in Deutschland sein Experiences-Angebot freigeschaltet. In Berlin bietet der Homesharing-Gigant nun auch Ausflüge und Aktivitäten. Ein Blick auf das (noch) kleine Angebot zeigt, worauf sich Destinationen einstellen sollten. Zumal Airbnb nicht das einzige Übernachtungsportal ist, dass in diesen Tagen sein Angebot massiv erweitert. Airbnb und in Zukunft wohl auch Booking.com werden bei Vor-Ort-Angeboten künftig eine zentrale Rolle spielen.

Komprimiert

Noch ist Airbnb Trips in Berlin nicht mehr als ein Testballon. Doch schon jetzt ist die Qualität der Aktivitäten beachtlich. Erwartungsgemäß erscheinen auch Angebote, die einen kommerziellen Charakter zu haben scheinen. Professionelle Stadtführer und Eventanbieter sollten sich positionieren. Und mit Booking.com ist ein weiterer globaler Übernachtungs-Gigant auf dem Sprung.

Wie im Frühjahr angekündigt, bietet Airbnb sein im Herbst 2016 vorgestelltes Angebot Experiences erstmalig auch in Deutschland an. Aktuell 16 verschiedene Aktivitäten stehen in Berlin für den laufenden Monat Juli zur Auswahl. Das ist ein relativ überschaubares Angebot angesichts der Vielfalt der deutschen Hauptstadt. Aber es ist der Anfang. Und er ist gut gemacht.

Schauen wir genauer hin. So sieht das Angebot an „Entdeckungen“ in Berlin für den Monat Juli aus (Per Klick auf das Bild geht es auf die aktuelle Angebotsseite):

Nicht viel, aber vielfältig: Die Airbnb-Entdeckungen in Berlin im Juli 2017.

Wir sehen eine gut aufbereitete Auswahl an durchaus typischen Berliner Aktivitäten: Graffiti-Kunst an der Berliner Mauer etwam Segeln auf dem Wannsee, eine Radtour durch Kreuzberg und natürlich die für viele ausländische Gäste obligatorische DDR-Entdeckungstour.

Wie auch bei den Übernachtungen sind diese Aktivitäten auf persönliche Anbieter zugeschnitten. Genau für diese Host-Zentrierung steht Airbnb: Nicht das Produkt steht im Mittelpunkt, sondern der Gastgeber. Und der muss möglichst authentisch daher kommen, um gute Bewertungen und viele Buchungen zu generieren.

Touren-Profis werden zu Airbnb-Hosts

Für die DDR-Rundgänge  etwa ist „Dirk“ zuständig (nicht verwandt und verschwägert mit dem Autor dieser Zeilen). Laut eigenem Profil ist er seit 2014 Mitglied bei Airbnb, bietet auch eine Unterkunft an und hat bereits 81 Bewertungen bekommen. Und nun geht er mit Airbnb auf Entdeckungstour. Dirk ist ein echter Vorzeige-Host im Sinne von Airbnb.

Klar ist aber auch, dass bei Experiences auch Anbieter mitmachen, die im Berliner Fremdenverkehr professionell tätig sind. Zum Beispiel Florian, laut eigenem Angaben im Hauptberuf Geschäftsführer des Kanutouren-Anbieters Canoa Berlin. Ich bin gespannt, ob Florian die von ihm angebotenen Kanufahrten durch Kreuzberg konsequent selbst anbietet oder seinen Mitarbeitern überlässt.

Im Hauptberuf Geschäftsführer eines Kanutourenanbieters, für Airbnb einfach „Florian“.

Das ist übrigens kein Vorwurf. Im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass dem Beispiel von Florian in den kommenden Monaten viele Anbieter von Touren und Aktivitäten folgen werden. Mit Trips will Airbnb eine zentrale Rolle am Urlaubsort spielen. „Experiences“ sind übrigens nur ein Teil dieses Angebots. Places wendet sich an Bars und lokale Attraktionen wie etwa Museen und Attraktionen. In Deutschland ist das Angebot noch nicht verfügbar, aber zum Beispiel in San Francisco:

Shops, Museen, Bars, Restaurants: Das Angebot von Airbnb Places wird nach Deutschland kommen.

Über Places lassen sich beispielsweise Eintrittskarten oder Restaurant-Reservierungen abbilden. Losgelöst davon denkt Airbnb auch an Einkaufsservices und andere Dienstleistungen und Transferservices nach.

Fazit: Airbnb ist von nun an auch in Deutschland deutlich mehr als ein Anbieter von Privatunterkünften und Ferienunterkünften. Mit Airbnb Experiences wird das Unternehmen durch die Zentrierung der Aktivitäten auf den Anbieter punkten. Und das wird durchaus auch mit populären Inhalten funktionieren, die bislang klar in der Hand von professionellen Anbietern waren. Für Destinationen und lokale Veranstalter ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich mit dieser Angebotsform auseinanderzusetzen.

Booking.com kommt mit Flügen und Aktivitäten

Mit Booking.com wandelt sich ein weiterer globaler Übernachtungs-Gigant zur umfassenden Reiseplattform. Die über Jahre vom heutigen Priceline-CEO Glenn Fogel geprägte Maxime, Booking.com sei und bleibe ein Hotelportal, wird deutlich aufgeweicht. Bereits im Vorjahr kündigte Booking.com seine eigene Erlebnis-Schiene Experiences an, die nun in ersten Destinationen sichtbar wird. Und nebenbei verlinkt sich Booking.com nunmehr auch mit seinen Priceline-Schwesterunternehmen für Flüge (Kayak), Mietwagen (Rentalcars.com) und Restaurants (Opentable.com).

Die Kayak-Flugsuche als Sub-Domain für Booking.com. Der Reiter oben sorgt für das gebündelte Reiseerlebnis.

Noch ist dieses Angebot eine relativ simple Verlinkung der Angebote. Die Integration der Reisedienstleistungen in eine Buchungsstrecke ist nicht trivial und muss in Europa im Einklang mit der neuen EU-Pauschalreiserichtlinie stehen. Und den Reiter „Experiences“ sucht man bislang vergeblich. Wetten, dass Booking.com diese Hausaufgaben zeitnah erledigen wird?