Und sie wird sich durchsetzen, diese Blockchain

Der Bitcoin-Kurs bröckelt, die Finanzmärkte warnen vor einer Blase und vor möglichen Totalverlusten bei neuen Kryptowährungen, die  hundertfach an die digitalen Marktplätze drängen. Eine andere Warnung kommt mir viel zu kurz: Die vor jenen Protagonisten, die sowohl Kryptowährungen als auch die dahinter stehende Blockchain-Technologie für einen Hype halten, der vorübergeht. Ein Irrglaube! Denn diese Technik hat das Zeug, auch den digitalen Reisevertrieb nachhaltig zu verändern. Fünf Gründe.

Komprimiert

Blockchain-Technologie steht aktuell vor zwei Herausforderungen: 1. Das negative Image der potenziellen Bitcoin-Blase und 2. Ein Mangel an Cases und Anwendungen, insbesondere auch für den Tourismus. Die Zeit wird automatisch beides ändern. Und zwar unaufhaltsam. Wer das verinnerlicht, sollte jetzt die beiden Probleme angehen und sich so technischen Vorsprung sichern.

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen Anleger der Kryptowährung gute Nerven haben müssen. Um bis zu 20 Prozent schwankt ihr Kurs am heutigen Tag. „Nur noch“ knapp 6000 Euro ist er wert, als dieser Text freigeschaltet wurde. Das ist ein knappes Drittel seines Höchststandes. Die Auguren befürchten weitere Kursverluste.
Na und? Die erste Bitcoin-Zahlung liegt acht Jahre zurück. Für 10.000 Bitcoin-Token der Kryptowährung wechselten zwei Pizzen ihren Besitzer. So der Pizzabote klug investiert hat (nämlich gar nicht) ist er heute mehrfacher Millionär. Und wenn nicht, dann wird er nicht das letzte Opfer der Kryptowährungen sein.

Fast täglich kommen neue Kryptowährungen über so genannte Initial-Coin-Offerings (ICO) auf den Markt. Die Skepsis ist groß, bei Banken, Finanzaufsichten und zunehmend auch bei Investoren. Vermutlich zu Recht und dennoch leider. Denn das Spekulations-Thema lenkt kolossal ab von den großartigen Chancen, die die Blockchain-Technologie für den digitalen Wandel zu bieten hat. Die Wichtigsten in aller Kürze.

1. Blockchain ist viel sicherer als das heutige www

Jetzt ist es an der Zeit, sich zumindest  ansatzweise mit Blockchain-Technologie auseinanderzusetzen. Das ist einfacher als manche denken. Mein hoch geschätzter Kollege Norm Rose hat sein Wissen auf der jüngsten Phocuswright-Konferenz in eine 15-Minuten-Präsentation komprimiert. Eine gut angelegte Viertelstunde:

In Kürze zusammengefasst: Die einzelnen Blöcke der digitalen Kette sind nicht veränderbar. Sie lassen sich auch nicht löschen. Ja, das macht diese Technik komplex und vergleichsweise teuer. Aber es macht sie eben auch unglaublich attraktiv für alles, was im Bereich Datenschutz, Personalisierung und Zahlungssicherheit liegt. Betrug und Datenklau lassen sich weitgehend einschränken. Gesetzliche Restriktionen wie die neue Datenschutzgrundverordnung lassen sich quasi auf natürlichem Wege regeln.

2. Blockchain ist mehr als nur eine neue Technologie

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ja, auch Blockchains lassen sich manipulieren. Aber es ist verdammt schwer. Das gilt insbesondere für die zurzeit populärste Art der Blockchain-Technologie, der public permissionless blockchain, die den Bitcoin groß gemacht hat. Das klingt, frei übersetzt, nach „Offen wie ein Scheunentor“. Ist es aber nicht. Denn nur wer sich in der Datenkette eindeutig (mit einem Private Key) identifizieren kann, kann hier Blöcke ergänzen, sei es über Zahlungen, Verträge oder neue Angebote. Ohne den persönlichen Schlüssel ist Diebstahl quasi ausgeschlossen.

Ganz anders sieht das bei private blockchains aus, die nicht jedermann zugänglich sind. Nur ein ausgewählter Kreis darf auf diese Datensätze zugreifen. Und in so einem privaten Netzwerk ist der Gestaltungsspielraum für innovative Lösungsansätze auch jenseits der Bezahlungen mit Kryptowährungen deutlich größer.

Das vielleicht prominenteste Beispiel für eine solche Anwendung liefert aktuell die TUI, die via Blockchain Hotelkontingente aus unterschiedlichen Quellmärkten miteinander verbindet. Zugegeben: Man sollte meinen, zu einem multinationalen Austausch von Kapazitäten sollten auch klassische Reservierungssysteme in der Lage sein. Dass das – im Jahr 2017 – offenbar erstmalig via Blockchain geklappt hat, sollte etablierte Traveltech-Anbieter aufhorchen lassen.

3. Blockchain passt perfekt in die Touristik

Eine der Kernanwendungen von Blockchain ist das smart contracting, der rechtsverbindliche Abschluss von Verträgen. Wäre es nicht ein Traum, wenn das personalisiert und vakanzgeprüft stattfinden kann, sichere Zahlung inklusive? Kein Problem, wenn alles in der Kette abgebildet ist. Blockchain-basierte Buchungssysteme machen definitiv Sinn.
Kein Wunder also, dass auch der Luftfahrtverband Iata bereits spielerisch über eine Fortsetzung seines heiß disktutierten neuen Datenstandard NDC mit Blockchain-Technologie nachdenkt. Noch ist der Iata Digital Coin nur eine Inspiration. Aber er hat das Potenzial, das heutige globale Abrechungsssystem für Flugtickets, zu ergänzen oder gar zu ersetzen.

4. Die Kryptowährungen sind Treibstoff für Innovation

Und da sind wir wieder nun doch wieder bei den kritisch beäugten Kryptowährungen. Sie machen Sinn, wenn Sie mit einer sinnvollen Anwendung verknüpft sind. Bislang sind diese Anwendungen äußerst rar und öffentlich kaum vorhanden. Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit.

Initial Coin Offerings (ICO) sind weitaus mehr als eine Spekulation basierend auf den (ehemaligen) Höchstkursen des Bitcoin. ICO sind eine sehr smarte, schlanke und schnelle Möglichkeit des Fundings. Sie werden neue Geschäftsmodelle ermöglichen, Technologien und Innovationen fördern und kleine Start-Ups groß machen.

In diesen Tagen etwa läuft der ICO von LIF, der Kryptowährung des Travel-Start-Ups Winding Tree. Die Lufthansa Group hatte sich bereits vor dem ICO einen Cockpit-Platz in dem Konsortium gesichert. Ohne Frage ist das eine gute Strategie, denn es sichert technischen Vorsprung bei der Entwicklung kommender Anwendungen, die auch bei Winding bislang nur rudimentär sichtbar sind.

Ob sich die Investition in eine touristische Kryptowährung lohnt, vermag ich nicht pauschal zu beantworten. Es kommt auf den Einzelfall an. Nur so viel: Winding Tree wird vermutlich nicht der einzige touristisch relevante ICO in diesem Jahr bleiben. Es wird also weitere Chancen geben, sich via ICO auch technischen Einfluss zu sichern. * Sich mit dieser Frage individuell auseinanderzusetzen, ist gewiss ratsam. Weitere Traveltech-Foundations werden touristische Blockchain-Anwendungen vorantreiben. Warum sich nicht an dieser Entwicklung beteiligen?

5. Blockchain ist noch ein sehr zartes Baby. Zerstört es nicht.

Zurzeit fehlt es an vielem, was Blockchain zum Erfolg machen kann. Es fehlt an klaren Visionen und meßbaren Erfolgen, es fehlt an eindeutigen Bekenntnissen und dem Engagement der Tourismuswirtschaft. Und es fehlt am Beweis, dass diese Technik (eben nicht nur für ICO-Initiatoren) Vorteile bringt.

Im Gegenteil ist von vielen Gefahren die Rede: der langsamen Performance etwa, (die schon jetzt immer schneller wird), der hohe Energieverbrauch (der auch beim Internet 1.0 anfangs ein Problem war) und der großen Angst, dass diese Technik etablierte Mittler überflüssig macht. Auch das ist ein Horror-Märchen. Denn Blockchain-Technologie liefert zwar Sicherheit und Datengenauigkeit, aber leider keine Angebots- und Preistransparenz. Die muss mehr denn je geschaffen werden. Mag sein, dass via Blockchain einige Geschäftsmodelle neu aufgesetzt werden müssen. Aber müssen wir davor Angst haben? Ich sehe eher die Chancen.

*Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen berät zurzeit selbst ein junges Traveltech-Konsortium über die Potenziale und Risiken eines Initial Coin Offerings und sinnvoller touristischer Anwendungen. Das Projekt ist noch in einem relativ jungen Stadium und kann erst zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich gemacht werden.

2018: Werden Experiences die neue Pauschalreise?

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Ich danke allen Lesern, Partnern, Kunden und Freunden für spannende Diskussionen, großartige gemeinsame Projekte und wertstiftenden Austausch. Und ich wünsche Ihnen und Euch

Frohe Weihnachten
und einen guten Rutsch
in ein großartiges Jahr 2018

…in dem wir so weitermachen, wie wir begonnen haben: innovativ, neugierig, kompetent und fair.

Herzliche Grüße, Ihr und Euer Dirk Rogl

Der letzte Unister-Skandal: Die „Ines“ muss sich verantworten

Am Montag wird das Landgericht Leipzig sein Urteil im „Fall Unister“ sprechen. Gut fünf Jahre nach Beginn der Ermittlungen endet damit ein  bizarres Kapital sächsischer Justizgeschichte. Unabhängig vom Urteil muss sich auch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden für dieses Verfahren verantworten. Und das aus guten Gründen:

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